Die diesjährige Männer Tagesfahrt unter dem Motto "Alle Mann an Deck" ging nach Wilhelmshaven an den Jadebusen zum dortigen Marinemuseum samt Hafenrundfahrt mit einer historischen Barkasse. 40 (gedachte) Männer genossen einen erlebnisreichen Ausflug in die Geschichte der militärisch-deutschen Seefahrt und zur Hafenentwicklung in Wilhelmshaven.
Pünktlich um 7:30 Uhr startete unser Bus am Kloster Varensell in Richtung Jadebusen.
Über A2, A33, A30, A1 und A29 ging es schnurstracks auf Wilhelmshaven zu mit 30 minütiger Pause zur Frühstückszeit mit Brötchen, Kaffee, Bierbeißer, Käsesticks, Eier, Gürkchen und Frikadellchen am Rasthof Dammer Berge. Und auch schon an das Abendessen zuhause in der Gaststätte Hesse wurde frühzeitig gedacht, denn im "legendären Hartmann'schen Menueauswahlverfahren" kümmerte sich Martin Sandbote schon um die abendliche Vorbestellung.
Unterwegs gab es dann während wir warm im Bus saßen einen Regenschauer nach dem anderen, aber zum Frühstück war es trocken geblieben - welch ein Glück - perfekt getimet ;-)
Je näher Mann Wilhelmshaven kam, lockerte sich der Himmel in Richtung blaue Farbtupfer, so dass wir zuversichtlich und schon im Bus in 3 Gruppen aufgeteilt am Marinemuseum in unsere Führungen starten konnten.
Die Schwerpunkte lagen natürlich auf den ausgestellten ausgemusterten Marine Schiffen, welche im Folgenden kurz beschrieben sind (aber Gruppe 1 wird zum Beginn ihrer Führung auf der "Mölders" dann doch noch mal mit düsteren Wolkenszenarien mit Graupel konfrontiert).
Gruppe 2 startete zunächst in der Dauerausstellung durch 175 Jahre deutsche Marinegeschichte. Schiffsmodelle zeigen, wie aus hölzernen Rümpfen stählerne Kriegsmaschinen wurden. Spektaluläre Original-Objekte wie z.B. eine "Enigma"-Chiffriermaschine aus dem zweiten Weltkrieg vermitteln Geschichte hautnah. Mit Uniformen, Schiffsschrauben, Deckgeschütze und einem Kleinst-U-Boot entdeckten wir eindrückliche Zeugen der Vergangenheit.
Im Museumshafen hatten wir im Rahmen unserer Führungen die Möglichkeit, verschiedene ehemalige Schiffe und Boote aus der deutschen Marine-Geschichte zu besichtigen. So entdeckten wir das Minenjagdboot M1077 WEILHEIM, das Schnellboot S71 GEPARD, das Küsten-U-Boot U10 und das Museums-Flaggschiff, den Lenkwaffenzerstörer D176 MÖLDERS.
Unser Rundgang z.B. über und durch die 70000 PS starke MÖLDERS führte über mehrere Decks mit vielen Eindrücken zu technikhistorischen und sozialgeschichtlichen Themen. Wir konnten die Lebensbedingungen der Matrosen spürbar nachvollziehen in den vielen engen Räumlichkeiten zum arbeiten, schlafen oder essen. Selbst Offiziere oder der Kapitän waren durchaus nicht gerade auf einem Reisedampfer unterwegs. Die Königsallee hat hier eine ganz andere Bedeutung als bei uns in Varensell. Insgesamt waren auf diesem Schiff 334 Mann im Einsatz über 34 Jahre seiner Einsatzzeit. In dieser wechselten 17 Kapitäne die Verantwortung auf kleiner oder großer Fahrt. Fregattenkapitän Michael Gemein beendete am 28. Mai 2003 den Dienst des Lenkwaffenzerstörers MÖLDERS.
Das Schwesterschiff LÜTJENS folgte im Dezember drauf als letztes dampfgetriebenes Schiff dieser Bauart und Epoche der deutschen Marine. Die Bezeichnung "Zerstörer" verweist darauf, dass es sich hier um ein besonders kampfkräftiges Schiff handelte. Sie war mit Waffensystemen zur Bekämpfung von Zielen in allen 3 Dimensionen des Seekrieges ausgestattet: Die Schiffsartillerie mit zwei Geschützen zu je 127mm diente primär der Bekämpfung von Seezielen in einer Entfernung von bis zu 13km. Zwei Torpedorohrsätze mit jeweils 3 Rohren dienten ebenso wie der ASROC (Antisubmarine Rocket) zur Abwehr von Unterwasserzielen. Hierbei wurden Torpedos mit einem zusätzlichen Raketenantrieb vor ihrem Unterwasserweg ca. 5km durch die Luft geschossen um die Reichweite deutlich zu erhöhen.
Das wichtigste Waffensystem war aber der Flugkörperstarter. Von ihm konnte alle 7 Sekunden ein Luftabwehrflugkörper verschossen werden, von denen das Schiff insgesamt 40 Stück an Bord hatte. Diese konnten Luftziele in einer Entfernung bis zu 45km bekämpfen und somit den Luftschutz eines ganzen Schiffsverbandes gewährleisten.
Auf der Brücke angekommen, wurde uns erklärt wie die Steuerung des Schiffes vonstatten ging, welche einzelnen Funktionen menschlicher und technischer Art zusammen arbeiten mußten. Von hier aus hat man einen guten Blick über das hoch stehende Vorschiff hinaus. Unser Blick ging vom Liegeplatz der MÖLDERS direkt auf die imposante und stählerne Kaiser Wilhelm Brücke in Wilhelmshaven.
Unsere Gruppen bestaunten auf dem weiteren Rundgang Lazarett, Kombüse, Mannschaftsmesse und Technikräume für Funker, Computerspezialisten (denn es war schon ein digitales Schiff!), Nautiker, Maschinisten und Diensthabende aller Art. Wir liefen durch enge Gänge zwischen den Schotten und stiegen die ein oder andere steile Treppe hinab oder hinauf. Selbst unsere älteren Herrschaften konnten diese Wege aber gut bewältigen. Am Ende unseres Rundganges sahen wir die Waschräume und das größte Mannschaftsdeck, was 82 Besatzungsangehörigen Platz bietet und damit den dort unter-gebrachten Soldaten ein besonders hohes Maß an Rücksichtnahme abverlangte. Für die Schiffseigene Wäscherei standen je 2 Professional-Waschmaschinen und Trockner der Firma Miele zur Verfügung. Das machte ein Paar Männer natürlich besonders stolz.
So vergingen 1 1/2 Stunden interessanter Museumsgeschichte wie im Fluge und manch einer verspürte ein gewisses Knurren in der Magengegend. Deshalb fielen ein paar Meter Wegstrecke zum
naheliegenden Restaurant Le Patron nicht schwer, denn Hunger und Durst ist auch ein guter Antrieb.
Labskaus und friesisches Bier schmeckte uns allen sehr gut. Für manch einen wohl auch eine neue Erfahrung ;-)
Nach dem Essen bot sich ein Gang an die frische Luft auf der Südstrand Promenade an. Die Blicke konnten zum Jadebusen hin in die Ferne schweifen und der ein oder andere lehnte sich genüßlich an die Promenadenmauer. Mit Blick auf die Uhr ging unsere ausführliche Pause zu Ende, denn um halb drei war Treff am Anleger unserer Rundfahrtbarkasse angesagt. Die GROSSE FREIHEIT, eine alte Hafenbarkasse aus Hamburg aus dem Jahre 1945 wartete schon auf uns. Ein von Wind und Sonne gegerbter Skipper empfing uns an der Fußgängerbrücke zum Schiff mit seinem Personenzähler. Und plötzlich waren wir nur noch 39 Männer. Was war passiert? War jemand verloren gegangen?
David fand den Fehler :-) Auf Axel's Anmeldeliste fehlte die Zeile 19 :-)))) Puuuh ... Glück gehabt.
Also Leinen los, und vom Käpt'n einen kurzen Küstennebel genießen mit überwiegendem Blick in Richtung Steuerbord, denn die einstündige Hafenrundfahrt ging gegen den Uhrzeigersinn an vielen unterschiedlich genutzen Kaimauerbereichen vorbei. Unser Käpt'n hatte viel zu erzählen, er redete wie ein Wasserfall mit nur einer kurzen Trinkpause. Es gab Infos zur Hafen- / Marinegeschichte, zu den vielen Spezialschiffen die vor Ort lagen, zu den beiden riesengroßen Schleusenkammern und zum großen Hafenbereich hinter der Kaiser Wilhelmbrücke wo u.a. einmal im Jahr ein Treffen von Seglern stattfindet. Etliche teure Wohnanlagen bieten Ausblicke auf das Binnengewässer und den Jadebusen.
So verging ein kurzweiliger Ausflugstag im Rahmen der Tagesfahrt des Männervereins Varensell wieder flugs vorbei (deshalb heißt das ja auch so ;-) und unser Busfahrer Heiko Beckerjürgen vom Reiseunternehmen Klesener aus Varensell wartete schon bequem zum Einsteigen direkt am Anleger unserer Hafenbarkasse.
Beide Autobahnfahrten morgens und abends konnten wir flüssig und ohne großen Verkehr genießen und somit waren wir wie geplant, um kurz nach 19 Uhr wieder zurück in Varensell. Zwei Drittel der Gäste hatten sich dann noch zum Abendessen im Brauhaus Hesse angemeldet, wo man das Erlebte vom Tag Revue passieren lassen konnte. Natürlich ebenfalls mit lecker Speisen und Getränke frisch aus dem Zapfhahn.
Der Vorstand des Männervereins bedankt sich bei allen Teilnehmern und beim Busunternehmen Klesener für diesen tollen Tag in sehr angenehmer Gemeinschaft. Und in absehbarer Zeit beginnen schon die ersten Planungen auch schon wieder fürs nächste Jahr ... wir freuen uns drauf!
Bericht von ae mit herzlichem Dank an die Männer welche mir ihre Fotos zur Verfügung gestellt haben!






























































































